Citizen Science – bitte gerne mitmachen!

Zur Zeit ist es zwar wieder kalt, aber dennoch fliegen einige Wildbienen sobald die Sonne lange genug scheint. Angehängt sind Fotos von einem Grasweg in Schornsheim. Als ich das vergangene Wochenende dort spazieren gegangen bin, war es leider zu kalt, daher konnte ich keine lebenden Wildbienen beobachten. Aber ich konnte ein (leider) totes Individuum finden. Vermutlich handelt es sich bei den dort nistenden Wildbienen um Andrena apicata oder die „dunkle Weidensandbiene“.

Meine Bitte an die Leser dieses Blog. Viele Menschen nutzen das schöne Wetter, um in der Gemarkung spazieren zu gehen. Würdet Ihr mir bitte für die Gemarkungen Partenheim, Saulheim, Udenheim und Schornsheim Fotos zu Nistplätzen von Wildbienen (kleine Sandhäufchen wie auf den Fotos) und die Standorte zusenden? Gerne auch Fotos von verendeten Individuen, um sie ggf. bestimmen zu können. Dafür sind vor allem die Flügel, die Fühler und der Hinterleib, aber auch der gesamte Köper hilfreich.
Mich interessieren diese Ortschaften und ihre Gemarkung besonders, da ich versuche, hier eine Kartierung der „Wildbienen – Hotspots“ durchzuführen. Ich bin hier der Naturschutzbeauftragte der UNB und würde gerne alle Flecken kennen, an denen Wildbienen zu finden sind, um z.B. eventuelle geplante Eingriffe in die Natur besser beurteilen zu können. Gerne kann man natürlich auch mit anderen Fragen an mich herantreten.

Alle anderen Leser können gerne ihre Beobachtungen bei https://naturgucker.de/natur_.dll/ veröffentlichen.

Vielen lieben Dank und viel Spaß beim Spazieren und Beobachten.

Die kleinen braunen Erdhäufchen links im Bild.

Hier etwas näher.

Und hier ganz nah.

Aussterben von Insekten: „Warnung an die Menschheit“

Aussterben von Insekten: „Warnung an die Menschheit“

Der Artikel ist schon ein paar Tage älter, ist aber noch immer interessant und wichtig!

Aussterben von Insekten: „Warnung an die Menschheit“

Das zeigt eine Analyse führender Insektenforscher. Sie richten eine „Warnung an die Menschheit“.

Source: www.sueddeutsche.de/wissen/insekten-aussterben-forschung-1.4834383?fbclid=IwAR1tZZxszmKE5jhaE8xcAAECJ5vZWdEtA1NFACxYX-h0mTmmvuyV5Nsx4wE

Und gewonnen hat die Artenvielfalt

Vergangenes Wochenende waren meine Frau und ich bei einer Veranstaltung des Netzwerk Blühende Landschaft  in Haar und Garching (beides bei München). In beiden Gemeinden konnten wir die gelungene Umsetzung der Anlage von artenreichen und vielfältigen Grünanlagen, Verkehrsinseln und Ausgleichsflächen bewundern. Diese konnten durch die enge Zusammenarbeit von engagierten Bürgern und der Verwaltung umgesetzt werden. Die Strahlkraft der öffentlichen Flächen hat neben der Bewusstseinsveränderung durch das Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern auch dazu geführt, dass viele private Haushalte sich den Bemühungen der Kommune angeschlossen haben und ihre Gärten ebenfalls artenreich und vielfältig aufgewertet haben.

Zudem ist die Gemeinde Haar dieses Jahr eine der Gemeinden, die bei dem Projekt StadtGrün naturnah das Label in Gold erhalten hat. Bei diesem Projekt, gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, wird die Umsetzung eines ökologischen Grünflächenmanagements unterstützt.

Bedenkt man, dass alleine die Flächen der Gärten in Deutschland etwa gleich groß sind wie die der hiesigen Naturschutzgebiete, dann wäre zusammen mit den „Ehdaflächen“, also den oben schon erwähnten  Grünanlagen, Verkehrsinseln, Ausgleichsflächen etc. der Kommunen ein Riesenschritt für den Erhalt der Artenvielfalt in Deutschland getan. Dass das Ganze am Ende auch noch kostengünstiger ist als die derzeitig noch herkömmliche intensive Pflege der Flächen, sollte eigentlich den Wechsel für alle Kommunen und Haushalte einfach machen. Dafür ist möglicherweise bei dem einen oder anderen Entscheider ein Wertecheck ein hilfreicher Zwischenschritt. Was ist uns wichtiger? Die „Sauberkeit“ der Natur oder der Erhalt unserer Flora und Fauna?

Hier noch ein paar Links zu dem Thema:

Projekt StadtGrün naturnah
https://www.stadtgruen-naturnah.de/Fachkongress/fachkongress-2019/

Netzwerk Blühende Landschaft Handlungsempfehlungen (hier ist für jeden was dabei!)
http://www.bluehende-landschaft.de/nbl/nbl.handlungsempfehlungen/index.html

Beobachtungen am Ysop

Letzte Woche wurde ich wieder einmal gefragt, ob Honigbienen Wildbienen an Trachtquellen Konkurenz machen. Dazu sind mir keine wissenschaftlichen Forschungen bekannt. Aus eigener Beobachtung heraus scheint es mir aber tatsächlich ein Dominanzverhalten der Honigbienen zu geben.

Dazu hier eine Schilderung meiner Beobachtungen vom letzten Wochenende:
An unserem Kräuterbeet konnte ich eine interessante Entdeckung machen. Es war warm und sonnig, unsere zwei großen Ysop standen in voller Blüte. Im Verlauf des Tages konnte ich sieben verschiedene Wildbienenarten beobachten, die den Ysop angeflogen. Darunter waren „Bunte Hummel“ und „Erdhummel“, „Sandbiene“, „Furchenbiene“ und eine winzig kleine Art, die ich leider nicht bestimmen konnte (ein „fliegendes Komma“). Parallel waren aber auch Honigbienen am Ysop und zwar bis zu 25 Individuen auf einmal. Ich konnte beobachten, dass die Honigbienen nicht nur sehr schnell und fleißig sammelten (die andern waren auch schnell), sondern dass auch einzelne Honigbienen andere Wildbienen auf der Blüte anflogen und sie so vertrieben. Die Blüte, die dann frei war, wurde nun von der Honigbiene beerntet. Ob das Zufall war oder gezielt, weiß ich nicht, werde es aber weiter beobachten. Den Aspekt des Vertreibens von Konkurrenten kennt man schon von der Wollbiene. Die männliche Wollbiene ist bekannt für ihr Verhalten zur Revierverteidigung. Von anderen Bienenarten war mir das bisher nicht bekannt. (Interessanterweise konnte ich dieses Jahr noch keine Wollbienen im Garten beobachten. Dies nur am Rand.)

Jetzt kann man einwerfen, dass 25 Honigbienen nicht unbedingt nach viel Konkurrenz klingen. Bedenkt man aber, dass die Wildbienen ungefähr genauso viele Individuen, aber aus verschiedenen Arten darstellten, und dass es sich um nur zwei Pflanzen handelte, ist das doch beachtlich.

Es zeigte sich aber auch wieder, dass die Wildbienen in den Tagesrandzeiten, in denen es kühler war, wiederum im Vorteil waren (vor allem Hummeln). Das Fliegen bei ungünstigeren Witterungsbedingungen macht ja unter anderem auch die Vorteile von Wildbienen gegenüber Honigbienen bei der Bestäubungsleistung aus.

Aus den aktuellen Beobachtungen und meiner Erfahrung als Imker würde ich deshalb empfehlen, eigens für Wildbienen angelegte Flächen nicht für die Nutzung durch Imker zur Verfügung zu stellen oder wenn überhaupt, nur einzelne Völker aufzustellen.

Das Bild zeigt eine der emsigen Damen auf dem Ysop. Vermutlich eine Furchenbiene.

Da ich in letzter Zeit wieder vermehrt gefragt worden bin, was es mit den Wildbienen so auf sich hat, hier ein paar allgemeine Sätze.

Wildbienen sind die weniger bekannten Schwestern der Honigbienen. In Deutschland kennt man ca. 580 Wildbienenarten. Rund 65 % von ihnen nisten im Boden. Nur wenige Arten sind staatenbildend wie die Honigbiene. Einige Arten leben solitär, versorgen ihre Nester also allein, andere bilden kleinere Gruppen und nutzen Nester gemeinsam ohne Staaten zu bilden. Die sogenannten Kuckucksbienen leben parasitär, übernehmen also die Nester ihrer Wirte. Alle diese unterschiedlichen Verhaltensweisen sind sehr spannend zu beobachten und eröffnen den Blick in eine eigene Welt!

Weil das „Flugbenzin“ der Wildbienen begrenzt ist, müssen Nistplatz, Futterquellen und Baumaterial im Radius von wenigen hundert Metern vorhanden sein. Während sich die erwachsenen Wildbienen von Nektar ernähren, benötigen sie den eiweißreichen Blütenpollen, um ihre Nachkommen mit Futter zu versorgen. Dabei sind einige Wildbienenarten darauf angewiesen, dass sie bestimmte Blüten finden. Ihre Brut kann nur mit Pollen spezieller Pflanzen (z.B. Glockenblume) gefüttert werden (oligolektische Arten). Deshalb ist die Vielfalt in unseren Gärten und in unserer Landschaft so wichtig! Wildbienen brauchen Blühinseln, um zu leben.

Da Rheinhessen das erforderliche warme und trockene Klima für die Wildbienen bietet, kommen hier besonders viele Wildbienenarten vor (ca. 400). Wir leben also in einem Wildbieneneldorado und haben eine besondere Verantwortung für diese geschützten Tiere.

Außerdem möchte ich Euch die Gelbbindige Furchenbiene (halictus scabiosae) vorstellen, die aktuell zu beobachten ist. Sie ist eine von den Wildbienen die derzeit wieder vermehrt auf Sandhaufen oder ähnlichen Ruderalflächen im Massen anzutreffen ist.

Drei Weibchen der Gelbbindingen Furchenbiene Pollen sammelnd auf einer Blüte der Gewöhnlichen Kratzdistel

(Foto: Hans Richard Schwenninger
Quelle: http://www.wildbienen-kataster.de/…/PM_Wildbiene_des_Jahres…)

Die Gelbbindige Furchenbiene fällt durch ihre breiten gelben Streifen auf. Sie nistet in Sandböden und bevorzugt Korbblütler als Pollenquelle, ist aber nicht festgelegt (polylektisch). Diese Furchenbienenart zeigt ein besonderes Nistverhalten: Mehrere befruchtete Weibchen überwintern gemeinsam im Nest. Im Frühjahr wird eines von ihnen das Hauptweibchen, legt Eier und bewacht das Nest gegen andere Bienen. Die anderen „Hilfsweibchen“ helfen bei der Versorgung der Larven, werden aber nach einiger Zeit vertrieben und suchen sich eigene Nester – zum Teil übernehmen sie sogar Nester anderer Arten, um ein Heim zu finden. Ab Juni/ Juli schlüpfen dann die Männchen und begatten die Weibchen für die nächste Generation im kommenden Jahr.

Sendung des SWR von gestern

Diese Pflanzen helfen Insekten wirklich!

Tipps für den Artenschutz

Unter der Einleitung „Selbst etwas gegen das Insektensterben tun – das wünschen sich viele Hobbygärtner. Mit diesen Tipps ist es leicht, den Garten oder Balkon mit den richtigen Pflanzen in ein Insekten-Paradies zu verwandeln.“ kam gestern im SWR der angehängte Beitrag. Eine schöne Zusammenfassung mit O-Ton.

 

 

Nach dem Regen

Hier ein Film, als Anregung heute nach dem Regen besonders aufmerksam z.B. durch den Garten zu gehen. Es sollten einige Insekten unterwegs sein.

Die Hauptdarsteller sind Rosenkäfer, das Orchester im Hintergrund die Nachtigall.